Nach der wetterbedingten Absage des ersten GT3-Rennens am Samstag konnte das zweite Rennen der CHINA GT Championship am Sonntag zunächst wie geplant beginnen. Doch erneuter Starkregen sorgte bereits nach neun Runden für eine Rennunterbrechung mit der Roten Flagge. Während dieser Unterbrechung gab Xu Zhefeng (Bad Guy Racing) ein Live-Interview, in dem er den Promoter der Meisterschaft sowie die Rennoffiziellen mit beleidigenden und herabwürdigenden Äußerungen scharf angriff. Die Konsequenz: die sofortige Disqualifikation des Teams von der Veranstaltung in Zhuhai sowie ein Saisonausschluss auf Bewährung.
Bereits nach neun Rennrunden musste die Rennleitung das Rennen aufgrund von erneut einsetzendem Starkregen und starken Windböen mit der Roten Flagge unterbrechen. Während der fast zweistündigen Unterbrechung führten die chinesischen Kollegen mehrere Live-Interviews mit Fahrern in der Boxengasse. Eines dieser Interviews entwickelte sich jedoch zu einem handfesten Eklat.
Um 14:58 Uhr Ortszeit äußerte sich Xu Zhefeng (Bad Guy Racing, #69) während eines Live-Interviews beleidigend und herabwürdigend über den Promoter der CHINA GT Championship, Top Speed Sports Events LS Limited, sowie über die Rennoffiziellen. Die Aussagen wurden live im Fernsehen sowie auf mehreren digitalen Plattformen übertragen und erreichten damit ein großes Publikum.
Harte Strafen durch die Sportkommissare
Nachdem Rennen veröffentlichten die Sportkommissare ihre Entscheidung. Als Grundlage nannten sie unter anderem Artikel 25.5 des Sportreglements der CHINA GT Championship 2026 sowie mehrere Bestimmungen des Internationalen Sportgesetzes der FIA und der Disziplinar- und Ethikrichtlinien des chinesischen Motorsportverbandes CAMF.
Die Konsequenzen fielen deutlich aus:
Sofortiger Ausschluss des Fahrzeugs #69, des Teams Bad Guy Racing sowie seiner Fahrer von der gesamten Veranstaltung in Zhuhai.
Sämtliche Ergebnisse des Teams bei der dritten Saisonrunde wurden annulliert.
Zusätzlich verhängten die Sportkommissare einen Ausschluss von der restlichen CHINA GT Championship 2026 auf Bewährung.
Saisonausschluss nur unter Auflagen ausgesetzt
Der Saisonausschluss tritt zunächst nicht in Kraft. Damit Bad Guy Racing und Xu Zhefeng weiterhin an der Meisterschaft teilnehmen dürfen, müssen jedoch zwei Bedingungen erfüllt werden.
Zum einen muss spätestens vor dem nächsten Meisterschaftslauf am ersten September Wochenende eine öffentliche schriftliche Entschuldigung gegenüber dem Promoter erfolgen. Form und Veröffentlichungsweg müssen zuvor vom Meisterschaftssekretariat genehmigt werden.
Zum anderen muss eine Spende in Höhe von 50.000 RMB (umgerechnet: 6.502Euro) an eine gemeinnützige Organisation zur Förderung des Jugend-Kartsports geleistet werden. Auch der Zahlungsnachweis muss vor dem nächsten Rennwochenende eingereicht werden.
Sollte eine dieser beiden Auflagen nicht fristgerecht erfüllt werden oder sollte sich Fahrer oder Team bis zum Saisonende erneut ein vergleichbares Fehlverhalten zuschulden kommen lassen, wird der Ausschluss für den Rest der Saison 2026 mit sofortiger Wirkung wirksam.
Die Sportkommissare betonten in ihrer Begründung insbesondere den öffentlichen Charakter der Äußerungen. Da das Interview live im Fernsehen und auf mehreren digitalen Plattformen übertragen wurde und die Aussagen sowohl gegen den Promoter als auch gegen die Rennoffiziellen gerichtet waren, werteten sie den Vorfall als schwerwiegendes unsportliches Verhalten und als erhebliche Schädigung des Ansehens der Meisterschaft. Strafmildernd wurde berücksichtigt, dass Xu Zhefeng den Vorfall während der Anhörung vollständig eingeräumt und sich bei den Offiziellen sowie dem Promoter entschuldigt hatte.
Hintergrund
Nach Angaben mehrerer chinesischer Motorsportmedien richtete sich der Ärger des Fahrers gegen die Handhabung der Rennunterbrechung.
Vor dem Rennen hatten die Veranstalter mitgeteilt, dass jeder Reifenwechsel während des Rennens – selbst ein Wechsel von Regenreifen auf Regenreifen – mit einer Zeitstrafe von 50 Sekunden belegt werde. Nachdem das Rennen jedoch wegen des starken Regens unterbrochen wurde, erlaubten die Offiziellen während der Rotphase Reifen- und Fahrerwechsel.
Kritisiert wurde dabei vor allem, dass die zuvor veröffentlichten Regelungen während des Rennens praktisch keine Anwendung mehr fanden. Nach Ansicht mehrerer Teams hätten die Organisatoren das Öffnen des Boxenfensters auch bis zur Wiederaufnahme des Rennens verschieben können. Dadurch entstand der Eindruck, dass Teams, die ihre Strategie anhand der ursprünglich veröffentlichten Regularien geplant hatten, gegenüber anderen Teams benachteiligt wurden.
Ob diese Unzufriedenheit letztlich Auslöser für die Aussagen von Xu Zhefeng war, wurde von den Sportkommissaren nicht bewertet. In ihrer Entscheidung spielten ausschließlich der Inhalt der Äußerungen sowie deren öffentliche Verbreitung eine Rolle.
Unabhängig von der ausgesprochenen Strafe erklärte Xu Zhefeng nach dem Vorfall, dass er ohnehin nicht beabsichtige, in dieser Saison weitere Rennen der CHINA GT Championship zu bestreiten. Stattdessen wolle er sich künftig auf seine Einsätze in der GT World Challenge Asia sowie der China Endurance Championship (CEC) konzentrieren.