Ohne Vorsaisontests und nach einem schwierigen Saisonstart mit technischen Problemen in Monteblanco hat die junge Finnin ihr GT-Debüt in eine der Überraschungsgeschichten der Porsche Sprint Challenge Ibérica 2026 verwandelt. Nach drei Rennwochenenden liegt sie auf Rang zwei im Ladies Cup sowie auf Platz acht der Gesamtwertung und in Kategorie 2. In der zweiten Saisonhälfte peilt sie nun Podiumsplätze im Gesamtklassement an.
Als Flame Airikkala zur Porsche Sprint Challenge Ibérica kam, gab es für sie fast alles neu zu entdecken: eine neue Meisterschaft, neue Rennstrecken, ein neues Team und vor allem eine grundlegende Veränderung ihrer bisherigen Karriere. Nach ihren Erfahrungen im Formelsport stellte sich die junge Finnin 2026 erstmals der Herausforderung GT-Rennsport. Ihr Einsatzfahrzeug: ein Porsche 992 GT3 Cup des portugiesischen Teams AF Motorsport.
Drei Rennwochenenden später geht Airikkala als eine der großen Überraschungen der Saison in die Sommerpause. Sie belegt Rang zwei im Ladies Cup sowie Platz acht in der Gesamtwertung und in Kategorie 2. Gleichzeitig haben ihre Ergebnisse einen wichtigen Anteil am starken zweiten Platz von AF Motorsport in der Teamwertung.
Noch bemerkenswerter wird ihre bisherige Saison, wenn man bedenkt, dass sie praktisch alles direkt im Rennbetrieb lernen musste. „Der Saisonstart war definitiv eine Herausforderung. Leider konnten wir aufgrund von technischen Problemen in Monteblanco keines der Rennen beenden. Da wir weder vor der Saison noch zwischen den Rennwochenenden testen konnten, musste ich mich sehr schnell anpassen und lernen.“
Die Antwort darauf ließ allerdings nicht lange auf sich warten. „Bei jedem Event konnte ich deutliche Fortschritte machen. Jede neue Rennstrecke war eine weitere Gelegenheit, mich zu verbessern, und das gesamte Team von AF Motorsport hat mich unglaublich unterstützt, sowohl bei meiner Geschwindigkeit als auch beim Verständnis für das Auto.“
Vom Formelsport zum Porsche 992 GT3 Cup
Wie groß die Umstellung tatsächlich war, zeigt ein Blick auf Airikkalas bisherige Karriere. Mit 14 Jahren begann sie im Mietkart-Sport, wechselte anschließend in die Fiesta Junior Championship und später in den Formelsport. Dort startete sie unter anderem in der GB4 und im Kyojo Cup in Japan. Es folgte die Radical Cup UK, bevor sie 2026 mit der Porsche Sprint Challenge Ibérica den Schritt in den GT-Sport machte.
Der Wechsel von einem Einsitzer in einen Porsche 992 GT3 Cup erforderte dabei eine Anpassung zahlreicher bisheriger Referenzen. „Was mich wahrscheinlich am meisten überrascht hat, war das Auto selbst. Es macht unglaublich viel Spaß zu fahren, und das Vertrauen, das man in die Bremsen und Reifen haben kann, beeindruckt mich wirklich. Aus dem Formelsport kommend musste ich mich an die Gewichtsverlagerung gewöhnen, denn der Porsche wiegt fast doppelt so viel wie ein Formel-4-Auto. Deshalb ist der Fahrstil sehr unterschiedlich.“
Auch die Hitze auf der Iberischen Halbinsel war für die Finnin eine neue Erfahrung. Während sie aus dem britischen Regen und den finnischen Wintern gewohnt ist, mit ganz anderen Wetterbedingungen umzugehen, stellt die Hitze im Cockpit des Porsche bei den Rennwochenenden in Spanien eine zusätzliche Herausforderung dar.
AF Motorsport: Gemeinsam lernen und wachsen
Bei ihrer schnellen Anpassung an den neuen Rennwagen und die Meisterschaft hebt Airikkala immer wieder die Unterstützung von AF Motorsport hervor. Das portugiesische Team setzte sie gemeinsam mit der Britin Chloe Grant ein und spielte eine wichtige Rolle dabei, ihr sowohl den Porsche als auch die Besonderheiten der Meisterschaft näherzubringen.
„AF Motorsport hat mich von Anfang an unglaublich gut unterstützt und eine große Rolle bei meiner Anpassung an die Meisterschaft gespielt. Die Ingenieure und Mechaniker geben mir nach jeder Session wertvolles Feedback. Das hat mir geholfen, das Auto besser zu verstehen und schnell Geschwindigkeit aufzubauen, obwohl ich vor der Saison keine Tests absolvieren konnte. Wir haben eine sehr gute Arbeitsbeziehung aufgebaut und ich habe das Gefühl, dass wir uns mit jedem Rennwochenende gemeinsam weiterentwickeln.“
Die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit wurden bereits sichtbar. Nach den Schwierigkeiten in Monteblanco folgte in Estoril das erste Podium in der Porsche Sprint Challenge Ibérica. In Rennen 3 holte Airikkala ihren ersten Podestplatz – und damit genau jenen Moment, den sie selbst als bisherigen Höhepunkt ihrer Saison bezeichnet.
„Nach dem schwierigen Saisonstart und den Rückschlägen in Monteblanco war es wirklich schön zu sehen, dass die harte Arbeit von mir und dem gesamten Team belohnt wurde.“
Kika, Chloe und ein Ladies Cup auf hohem Niveau
Wenn Airikkala zu den neuen Gesichtern der Saison gehört, traf sie im Ladies Cup gleichzeitig auf zwei starke Konkurrentinnen. An der Spitze steht Francisca „Kika“ Queiroz, während Airikkala mit ihrer eigenen Teamkollegin Chloe Grant ebenfalls eine direkte Konkurrentin hat.
Die Finnin macht dabei keinen Hehl aus der Qualität ihrer Gegnerinnen. „Der Ladies Cup ist in diesem Jahr wirklich umkämpft und es macht großen Spaß, ein Teil davon zu sein. Gegen Kika und Chloe zu fahren, hat mich dazu gezwungen, mich an jedem Wochenende weiterzuentwickeln. Eine so starke Konkurrenz hebt das Niveau für uns alle. Beide sind unglaublich talentierte Fahrerinnen und wir hatten bereits einige sehr enge Duelle während der Saison.“
Für Airikkala ist gerade dieser Wettbewerb ein wichtiger Bestandteil ihrer Entwicklung: „Es ist immer schön, gegen Fahrerinnen anzutreten, die einen dazu bringen, mehr zu geben. Dadurch können wir uns weiterentwickeln und das Beste aus uns herausholen.“
In der zweiten Saisonhälfte alleine unterwegs
Für die letzten drei Rennwochenenden steht nun eine wichtige Veränderung bevor. Airikkala wird nicht länger gemeinsam mit Chloe Grant im Porsche antreten, sondern das Auto alleine fahren.
„Bei den letzten drei Rennwochenenden werde ich wie Kika alleine antreten, anstatt mir das Auto zu teilen. Dadurch werde ich doppelt so viel Fahrzeit bekommen. Jede zusätzliche Runde ist eine weitere Gelegenheit, mich weiterzuentwickeln.“
Damit wird deutlich, wie viel sich innerhalb nur einer halben Saison verändert hat. Die Fahrerin, die in Monteblanco ohne Testkilometer in ihre erste GT-Saison startete, geht nun mit deutlich höheren Ambitionen in die zweite Saisonhälfte. „Mein Hauptziel für die zweite Saisonhälfte ist es, auf den bisherigen Fortschritten aufzubauen. Das Ziel ist, konstant um Podiumsplätze im Gesamtklassement sowie um Podiumsplätze in der Silver Class und im Ladies Cup zu kämpfen.“
Für eine GT-Rookie ist das ein durchaus ambitioniertes Ziel. Gleichzeitig hilft ein Blick auf Airikkalas familiären Hintergrund dabei zu verstehen, woher ihr großer Ehrgeiz für den Motorsport kommt. Sie ist die Enkelin von Pentti Airikkala, der in der Rallye-Weltmeisterschaft antrat. Auch ihre Mutter war in den 1990er-Jahren im britischen Motorsport aktiv. Der Motorsport begleitet Flame Airikkala somit bereits seit ihrer Kindheit. „Ich bin mit dem Motorsport aufgewachsen. In ihre Fußstapfen zu treten, war für mich immer eine große Motivation. Ich genieße die Möglichkeit, diese Reise fortzusetzen und mich gemeinsam mit AF Motorsport als GT-Fahrerin weiterzuentwickeln.“
Abseits der Rennstrecke findet Airikkala vor allem durch Musik einen Ausgleich zum Wettbewerbsdruck. Zu ihren Lieblingskünstlern gehört Noah Kahan. Außerdem verbringt sie gerne Zeit im Fahrerlager, geht spazieren und tauscht sich mit anderen Fahrern aus. Doch auf die Frage, welche Botschaft sie jungen Mädchen mitgeben möchte, die davon träumen, selbst Rennfahrerin zu werden, fällt ihre Antwort besonders deutlich aus:
„Glaubt an euch selbst und gebt niemals etwas auf, für das ihr Leidenschaft empfindet. Ihr habt es genauso verdient, am Start zu stehen wie alle anderen. Lasst euch von niemandem etwas anderes erzählen.“
Vielleicht liefert jedoch ihre letzte Antwort die beste Zusammenfassung ihrer bisherigen Saison. Für Airikkala bedeutet die Teilnahme an der Porsche Sprint Challenge Ibérica vor allem eines: „Mich ständig selbst herauszufordern, besser zu werden. Jedes Wochenende ist eine Gelegenheit, gegen ein talentiertes Fahrerfeld anzutreten und einen weiteren Schritt auf dem Weg zu meinem Ziel zu machen, professionelle Rennfahrerin zu werden.“
Drei Rennwochenenden haben dafür bereits ausgereicht. Vom ersten GT-Einsatz bis auf Platz zwei im Ladies Cup und in die Top 8 der Gesamtwertung hat Airikkala in kurzer Zeit einen großen Schritt gemacht. Nun wartet mit einem Porsche, den sie in den letzten drei Rennwochenenden alleine fahren wird, doppelt so viel Fahrzeit auf die junge Finnin. Aus dem schnellen Lernprozess der ersten Saisonhälfte soll nun der nächste Schritt werden: regelmäßige Podiumsplätze im Gesamtklassement der Porsche Sprint Challenge Ibérica.
Nach der Sommerpause startet die zweite Saisonhälfte Mitte September in Jerez. Anschließend gastiert die Meisterschaft auf dem Circuito de Navarra im Rahmen der Ultimate Cup Series, bevor am ersten November-Wochenende in Estoril das große Saisonfinale stattfindet – auf jener Strecke, auf der bereits die zweite Saisonrunde ausgetragen wurde.
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