Die TCR Europe steht vor ihrem Saisonfinale 2026. Auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya werden an diesem Wochenende die letzten beiden Rennen des Jahres ausgetragen, in denen gleich mehrere wichtige Entscheidungen fallen. Neun Fahrer haben noch rechnerische Chancen auf den Fahrertitel, während auch die Teammeisterschaft noch nicht entschieden ist. Nach einer bislang äußerst umkämpften Saison steht damit ein spannender Abschluss bevor.
Neun Fahrer kämpfen um den Titel
Mit Marco Butti geht der Meisterschaftsführende in das letzte Rennwochenende des Jahres. Der Italiener von Monlau Motorsport führt die Wertung mit 174 Punkten an und hat sich durch starke Ergebnisse auf dem Hungaroring und in Monza eine gute Ausgangslage verschafft. Doch sein Vorsprung ist überschaubar: Alex Ley liegt nach seinem Sieg im zweiten Rennen von Monza mit 163 Punkten nur elf Zähler zurück. Auch Nicolas Taylor darf sich mit 155 Punkten weiterhin Hoffnungen auf den Titel machen.
Taylor hatte die Meisterschaft über weite Strecken der Saison angeführt, verlor nach schwierigen Ergebnissen bei den vergangenen Veranstaltungen jedoch die Führung. Der Kanadier von PMA Motorsport wird in Barcelona auf eine Antwort hoffen. Wie Viktor Andersson, der mit 151 Punkten auf Rang vier liegt. Andersson reist zudem mit Rückenwind an, nachdem er in diesem Jahr bereits einen viel beachteten Sieg in der Kumho FIA TCR World Tour feiern konnte.
Dahinter lauern mit jeweils 150 Punkten Mike Halder und Nicola Baldan. Halder ist der bestplatzierte Honda-Pilot in der Meisterschaft und kennt den Kurs in Barcelona gut. Baldan erlebt seinerseits eine seiner bislang stärksten Saisons in der TCR Europe und konnte bereits einen Rennsieg sowie zwei weitere Podestplätze verbuchen. Beide benötigen ein starkes Finale, um noch in den Titelkampf einzugreifen.
Auch Ruben Volt und Tiago Pernía haben mit jeweils 142 Punkten noch rechnerische Chancen. Volt reist an die Strecke zurück, auf der er im vergangenen Jahr die Poleposition holte und das erste Rennen souverän gewann. Junui Park komplettiert das Feld der neun Titelkandidaten. Der Südkoreaner von Solite Indigo Racing liegt mit 122 Punkten zwar deutlich zurück, konnte aber mit drei Rennsiegen in diesem Jahr, darunter zwei in den vergangenen beiden Veranstaltungen, auf sich aufmerksam machen. Für den 20-Jährigen wäre der Titelgewinn der Höhepunkt einer herausragenden Saison, bevor er ab 2027 eine Karrierepause einlegt.
Der Titelkampf verspricht damit bis zum letzten Rennen offen zu bleiben. Bereits im vergangenen Jahr fiel die Entscheidung erst im letzten Rennen. Damals lagen Jenson Brickley von Monlau Motorsport und Teddy Clairet von Team Clairet Sport punktgleich, ehe die höhere Anzahl an zweiten Plätzen den Ausschlag zugunsten Brickleys gab.
Auch die Teammeisterschaft ist noch offen
Nicht nur bei den Fahrern steht die Meisterschaftsentscheidung aus. Auch in der Teamwertung liegen die drei führenden Mannschaften noch in Reichweite des Titels. Monlau Motorsport führt mit 344 Punkten vor PMA Motorsport mit 329 Zählern. ALM Motorsport folgt mit 310 Punkten und hat ebenfalls noch Chancen auf den Gesamtsieg.
Während Monlau Motorsport auf die Leistungen seiner beiden Titelkandidaten Marco Butti und Viktor Andersson bauen kann, verfügt PMA Motorsport mit Nicolas Taylor und Nicola Baldan ebenfalls über zwei aussichtsreiche Fahrer. ALM Motorsport setzt unter anderem auf Ruben Volt und Mike Halder, die beide bereits in dieser Saison ihre Konkurrenzfähigkeit unter Beweis gestellt haben. Die Teams müssen somit nicht nur auf die eigenen Ergebnisse achten, sondern auch die direkten Konkurrenten im Blick behalten. Jeder Punkt kann im Kampf um die Teammeisterschaft entscheidend sein.
Abschied von Rubén Fernández als Promoter
Neben den sportlichen Entscheidungen steht in Barcelona auch ein bedeutender personeller Wechsel bevor. Rubén Fernández wird zum letzten Mal als Promoter der TCR Europe auftreten. Der ehemalige TCR-Rennfahrer hatte die Organisation und Vermarktung der Meisterschaft in den vergangenen zwei Jahren verantwortet und maßgeblich zu ihrer Entwicklung beigetragen.
Ab der Saison 2027 übernimmt die WSC Group die Vermarktung und Organisation der Meisterschaft. Das Unternehmen ist bereits als Promoter der Kumho FIA TCR World Tour tätig und plant, das bestehende Team weiterzuführen, das an der positiven Entwicklung der TCR Europe beteiligt war. Ein neuer Kalender für 2027 soll im Laufe des Finalwochenendes vorgestellt werden. Damit endet in Barcelona nicht nur eine Saison mit zahlreichen offenen Entscheidungen, sondern auch ein wichtiges Kapitel in der Geschichte der TCR Europe.
22 Fahrzeuge beim Saisonfinale
Beim Saisonfinale werden insgesamt 22 Fahrzeuge erwartet. Im Vergleich zum Rennwochenende in Monza gibt es einige Veränderungen im Starterfeld. Nicht mehr dabei sind die beiden Fahrer von Vannin Motorsport, Teddy Clairet und Luke Sargeant. Auch ALM Motorsport muss auf zwei seiner bisherigen Piloten verzichten. René Povlsen und Mikael Karlsson werden in Barcelona ebenfalls nicht an den Start gehen. Ebenfalls nicht dabei ist Sandro Pelatti, der sich zuletzt den Titel im Diamond Trophy gesichert hatte. Nachdem er bei SP Compétition keinen Platz für das Saisonfinale gefunden hat, entschied er sich dazu, seinen Cupra für das Saisonfinale der TCR Italy in der kommenden Woche zu schonen.
Auch Max Hart wird in Barcelona fehlen. Der Ire hatte seine Zusammenarbeit mit ALM Motorsport bereits während des Rennwochenendes in Monza beendet, konnte für das Saisonfinale jedoch keine neue Vereinbarung treffen. Obwohl er zuvor mit einem möglichen Einsatz im Audi-Umfeld der TCR Europe in Verbindung gebracht worden war, wird er nicht auf der spanischen Strecke antreten. Der einzige Neuzugang für das Saisonfinale ist Gary Kwok. Der Kanadier wird einen der Honda Civic FL5 von ALM Motorsport pilotieren und kehrt damit nach einem Jahr in die TCR Europe zurück. Seine bisher einzige Teilnahme an der Meisterschaft absolvierte er ebenfalls in Barcelona. Die komplette Fahrerliste findet ihr hier.
Zeitplan
Heute stehen zunächst zwei freie Trainings auf dem Programm. Am Samstag geht es um 11:30 Uhr mit dem Qualifying weiter, bevor um 17:30 Uhr das erste Rennen des Wochenendes gestartet wird. Am Sonntag fällt dann um 11:35 Uhr im zweiten und letzten Rennen die Entscheidung um den Titel. Wer wird TCR-Europe-Champion 2026? Beide Rennen seht ihr live mit deutschem Kommentar von Ben Wichterich-Setz auf unserem YouTube-Kanal!