Marcus Littlewood und Andy Lowe teilen sich Siege in Paul Ricard

Veröffentlicht am 10. Juni 2026 um 16:00

Die Radical Cup Europe erreichte auf dem Circuit Paul Ricard in Le Castellet die Halbzeit der Saison 2026. Bei der dritten Meisterschaftsveranstaltung erwarteten die Fahrer zwei spannende Sprintrennen auf einer der bekanntesten Rennstrecken Europas. Nach wechselhaftem Wetter am Donnerstag präsentierte sich Südfrankreich am Rennwochenende von seiner besten Seite – Sonnenschein, hohe Temperaturen und der kräftige Mistral-Wind sorgten jedoch insbesondere im Qualifying für anspruchsvolle Bedingungen.

Bereits im Freien Training deutete sich ein enger Kampf um die Spitze an. Luke Kendall fuhr die Bestzeit vor Marcus Littlewood und Erlend Juan Olsen. Damit war die Bühne für ein packendes Duell der drei SR3-Piloten bereitet.

 

Qualifying

Das Qualifying wurde wie gewohnt in zwei getrennte 20-Minuten-Sitzungen aufgeteilt. Das Ergebnis der ersten Session bestimmte die Startaufstellung für Rennen 1, die zweite Session jene für Rennen 2. Da jedem Fahrer für das gesamte Wochenende lediglich zwei Sätze Hankook-Slickreifen zur Verfügung standen, spielte neben der reinen Geschwindigkeit auch das Reifenmanagement eine entscheidende Rolle. Im ersten Qualifying setzte zunächst Luke Kendall die Bestzeit. Kurz darauf übernahm Marcus Littlewood mit seiner dritten Runde die Spitze. Erlend Juan Olsen verdrängte anschließend Kendall, ehe sich auch Lowen Stephens in den Kampf um die Pole einschaltete.

Kendall konterte und setzte sich erneut an die Spitze, doch Littlewood antwortete eindrucksvoll. Mit einer Runde in 2:08,574 Minuten verschaffte er sich zunächst einen Vorsprung von einer halben Sekunde und steigerte sich wenig später sogar auf 2:07,931 Minuten – als erster Fahrer des Wochenendes unter der Marke von 2:08 Minuten. Kendall verbesserte sich zwar nochmals, musste sich aber mit Rang zwei zufriedengeben. Dahinter folgten Olsen und Stephens.

 

Auch im zweiten Qualifying entwickelte sich ein packender Schlagabtausch. Da nahezu alle Spitzenfahrer denselben Reifensatz wie zuvor verwendeten, waren konstante Rundenzeiten entscheidend. Littlewood fand zunächst keinen Rhythmus, wodurch Kendall, Stephens, Olsen, John Macleod und Brian Huang zeitweise die Führung übernahmen. Mehrere schnelle Runden von Littlewood, Olsen und Stephens wurden allerdings wegen Überschreitens der Streckenbegrenzungen gestrichen. Kurz vor Ablauf der Zeit schien Kendall bereits die Pole sicher zu haben. Mit mehreren persönlichen Bestzeiten in den Sektoren fuhr er eine 2:08,124 Minuten.

Doch Littlewood hatte noch eine letzte Runde in der Hinterhand. Als die Zielflagge bereits geschwenkt wurde, verbesserte er sich nochmals auf 2:08,065 Minuten und sicherte sich damit auch die Pole-Position für Rennen 2. Die Zeitenanalyse zeigte anschließend, wie eng beide Kontrahenten tatsächlich beieinanderlagen. Im ersten Sektor waren beide nahezu identisch schnell. Kendall hatte Vorteile im zweiten Streckenabschnitt, während Littlewood im letzten Sektor entscheidende Zeit gutmachte. Am Ende trennten beide Fahrer lediglich 43 Tausendstelsekunden. Damit ging Marcus Littlewood mit zwei Pole-Positions als Favorit in die beiden Rennen des Wochenendes. Offizielle Ergebnisse von Q1 & Q2.

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Rennen 1

 

Luke Kendall erwischte den besseren Start, befand sich auf der Anfahrt zu Kurve 1 jedoch auf der Außenseite. Bis zur Virage du Camp setzte sich Marcus Littlewood an die Spitze. Während sich Kendall anschließend gegen die Angriffe von Erlend Juan Olsen und Lowen Stephens verteidigen musste, konnte sich Littlewood bereits leicht absetzen. Spätestens auf der ersten Passage der langen Mistral-Geraden hatte er sich einen komfortablen Vorsprung erarbeitet.

 

Kendall ließ den Führenden jedoch nicht aus den Augen. Mit mehreren schnellsten Rennrunden und zahlreichen Bestzeiten in den einzelnen Sektoren verkürzte er den Abstand Runde für Runde. Die beiden Spitzenreiter fuhren dabei in einer eigenen Liga und setzten sich kontinuierlich vom restlichen Feld ab. Im Mittelfeld entwickelte sich gleichzeitig ein spannender Kampf um den Sieg in der Fangio-Klasse für Fahrer über 50 Jahre. Zunächst behauptete Amir Feyzulin knapp die Führung, ehe John Macleod zur Rennmitte mit einem mutigen Überholmanöver die Klassenführung übernehmen konnte. Für die absolute Bestzeit des Rennens sorgte derweil Filip Svensson im Radical SR10. Dank der deutlich stärkeren Turboleistung flog der Schwede förmlich über die Mistral-Gerade und stellte mit 2:06,096 Minuten die schnellste Runde des gesamten Wochenendes auf.

Direkt dahinter lieferten sich Jack Yang und Lowen Stephens einen intensiven Zweikampf. Stephens setzte schließlich in der Courbe du Garlaban ein erfolgreiches Überholmanöver und arbeitete sich weiter nach vorne. An der Spitze zeigte Marcus Littlewood unterdessen eine nahezu fehlerfreie Vorstellung. Selbst mit einem komfortablen Vorsprung fuhr der Brite weiterhin persönliche Bestzeiten und ließ zu keinem Zeitpunkt nach. Seine schnellste Rennrunde von 2:08,786 Minuten unterstrich die beeindruckende Pace des Pole-Setters.

 

Auch im hinteren Feld wurde bis zum Schluss hart gekämpft. Ross Board und Diego d'Ambra lieferten sich in den letzten Runden ein spektakuläres Duell, das Board mit einem knappen Vorsprung für sich entschied. Der Kampf um den Gesamtsieg nahm jedoch eine entscheidende Wendung, als die Rennleitung gegen Luke Kendall eine Stop-and-Go-Strafe verhängte. Grund war ein zu kurzer Pflichtboxenstopp. Damit waren seine Hoffnungen auf den Sieg endgültig dahin.

In der Schlussrunde rückte stattdessen der Kampf um Platz zwei in den Mittelpunkt. Lowen Stephens setzte Erlend Juan Olsen beim Anbremsen der ersten Kurve unter Druck und ging zunächst vorbei. Olsen konterte jedoch noch vor der Virage de L'Hôtel und behauptete die Position. Stephens blieb im Windschatten seines Konkurrenten, nutzte den Windschatten auf der Mistral-Geraden optimal aus und setzte sich in der Chicane Nord erneut neben Olsen. Beide Fahrzeuge kamen sich dabei gefährlich nahe. Schließlich wagte Stephens ein spektakuläres Manöver außen herum in der ultraschnellen Courbe de Signes und machte den Überholvorgang erfolgreich perfekt.

Mit diesem mutigen Manöver sicherte sich Lowen Stephens nicht nur den zweiten Platz im Rennen, sondern rückte gleichzeitig auf Rang zwei der Meisterschaft vor. An der Spitze feierte Marcus Littlewood einen souveränen Start-Ziel-Sieg und bestätigte seine starke Form vom Qualifying eindrucksvoll. In der Fangio-Klasse verteidigte John Macleod seine Führung bis ins Ziel und feierte bereits seinen zweiten Klassensieg der Saison. Die kompletten Ergebnisse von Rennen 1 findet ihr hier.

Rennen 1 verpasst? Hier kannst du dir die ganze Rennaction in voller Länge als Wiederholung anschauen ⬇️

Rennen 2

Auch das zweite Rennen fand am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein statt. Aufgrund des Erfolgszeit-Ausgleichs mussten die Topplatzierten aus Rennen 1 beim Pflichtboxenstopp zusätzliche Standzeit absolvieren – ein Faktor, der das Rennen entscheidend beeinflussen sollte.

Wie bereits am Vortag teilten sich Marcus Littlewood und Luke Kendall die erste Startreihe. Während Kendall erneut den besseren Start erwischte, überraschte Lowen Stephens mit einem mutigen Manöver auf der Innenseite in Kurve 1 und übernahm nach den ersten Kurven die Führung. Im Fangio Cup nutzten Amir Feyzulin und John Macleod ihre Chancen, doch Andy Lowe erwischte den besten Start der Klasse und führte bereits nach der ersten Runde die Wertung der Fahrer über 50 Jahre an. Gleichzeitig arbeitete sich Filip Svensson im leistungsstärkeren SR10 bis auf Rang fünf nach vorne.

 

Bereits in Runde zwei setzte Marcus Littlewood den Führenden Stephens massiv unter Druck. Nach einem kleinen Fehler des Briten in der Schikane Nord blieb dieser zunächst vorne, ehe er sich wenig später in der Virage de Bendor verbremste und Littlewood vorbeiziehen lassen musste. Dem Meisterschaftsführenden war allerdings bewusst, dass ihn beim Pflichtboxenstopp eine Zeitstrafe aufgrund seines Sieges vom Samstag erwarten würde. Deshalb versuchte er, möglichst viel Vorsprung herauszufahren, leistete sich dabei jedoch sogar einen seltenen Fahrfehler in Kurve 1.

Davon profitierte Filip Svensson, der mit seinem turbogeladenen SR10 die Führung übernahm. Es entwickelte sich ein faszinierendes Duell zwischen den beiden unterschiedlichen Fahrzeugkonzepten: Während der SR10 auf den Geraden klar überlegen war, konnte der leichtere SR3 in den Bremszonen und schnellen Kurven Zeit gutmachen.

 

Auch im Mittelfeld wurde wieder spektakulär gekämpft. Brian Huang, Amir Feyzulin und Jack Yang lieferten sich über mehrere Runden hinweg packende Positionswechsel, ohne dabei die Fairness aus den Augen zu verlieren. Nach den Pflichtboxenstopps fand sich Littlewood nur noch auf Rang fünf wieder, unmittelbar hinter Luke Kendall. Vor ihnen lagen Sebastian Schou, John Macleod und Spitzenreiter Andy Lowe. Nun begann eine spannende Aufholjagd.

Während Macleod Kendall hart verteidigte, nutzte Schou eine kleine Lücke und zog ebenfalls vorbei. Dadurch verschaffte Macleod sich etwas Luft, während Lowe an der Spitze seinen Vorsprung weiter ausbauen konnte. Es folgten spektakuläre Zweikämpfe. Kendall und Schou fuhren Seite an Seite in Kurve 1, wodurch Lowe und Macleod erneut einige Meter gewinnen konnten. Gleichzeitig schloss Littlewood immer weiter auf.

 

Eine Runde später sorgten Kendall, Schou und Macleod mit einem Drei-weit-Manöver in der ersten Kurve für den Höhepunkt des Rennens. Schou geriet dabei etwas zu weit nach außen, Kendall setzte sich durch und Macleod zog klug zurück, um seine eigene Position nicht zu gefährden. Kurz darauf gingen sowohl Schou als auch Littlewood an Kendall vorbei und nahmen die Verfolgung von Spitzenreiter Lowe auf. Littlewood verfügte zwar über das höhere Tempo, wurde jedoch lange Zeit von Schou aufgehalten und verlor dadurch wertvolle Sekunden. Erst in der letzten Runde gelang Littlewood in Kurve 1 das entscheidende Überholmanöver gegen Schou. Anschließend setzte er alles daran, Lowe noch einzuholen. Bis zur schnellen Courbe de Signes war nicht klar, ob es reichen würde.

Am Ende rettete Andy Lowe seinen Vorsprung ins Ziel und feierte einen viel umjubelten Gesamtsieg. Marcus Littlewood kam nur knapp dahinter als Zweiter ins Ziel und verpasste einen Doppelsieg in Paul Ricard nur um wenige Sekunden. Die kompletten Ergebnisse von Rennen 2 findet ihr hier.

Rennen 2 verpasst? Hier kannst du dir die ganze Rennaction in voller Länge als Wiederholung anschauen ⬇️

Nach dem dritten Rennwochenende baut Marcus Littlewood seine Führung in der Gesamtwertung deutlich aus und reist mit 49 Punkten Vorsprung auf Sebastian Schou/Magnus Strømsted sowie Erlend Juan Olsen zum nächsten Rennwochenende. Im Fangio Cup übernimmt John Macleod die Tabellenführung und liegt nun 20 Punkte vor Jahid Fazal-Karim. Den Meisterschafsstand nach Paul Ricard findet ihr hier.

Die Radical Cup Europe gastiert bereits am ersten Juli-Wochenende zur vierten Saisonrunde auf dem Nürburgring. Im Rahmen der Michelin 12H Nürburgring stehen dort erneut zwei Qualifyings sowie zwei Rennen auf dem Programm. Alle Qualifyings und Rennen gibt es live und mit deutschem Kommentar auf unserem YouTube-Kanal.

Foto: Radical Cup Europe

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